Der Euro, der Euro…
macht nicht das, was er soll. Niedrig soll er sein, niedrig! Wegen der Exporte doch! Ich hab mir heute mal die Im- und Exportzahlen der letzten acht Jahre angeschaut (falls sich jemand wundert: ja, ich hatte heute nicht so viel zu tun…). Interessante Materie. Von 2000 bis 2007 ist der Anteil der Exporte gemessen am Bruttoinlandsprodukt (das ist die Summe aller in hier produzierten Güter und Dienstleistungen) von 29% auf 40% geklettert. Es wurden also zunehmend mehr Güter und Dienstleistungen ins Ausland verkauft. Die Importe dagegen sind nicht so schnell gewachsen (gemessen am BIP von 26% auf 32%). Das beweist zum einen, dass Hans-Werner Sinn zumindest teilweise unrecht hat (das war jetzt was für Insider, ich sage nur “Basarökonomie“). Sinn behauptet nämlich, in den Fabriken hier würden bald nur noch Teile aus Indien eingekauft, zusammengebaut und ein “Made in Germany” draufgepappt. Die Wertschöpfung würde derweil ganz woanders stattfinden. Das kann so nicht stimmen, dieweil ja offensichtlich in Deutschland zunehmend mehr produziert wird. Falls dem nicht so wäre, würden die Importe genau so schnell wie die Exporte wachsen. Man muß also auch einem Institutschef nicht alles glauben.
Aber jetzt geraten wir Europäer natürlich in die Bredouille. Wenn der Euro immer teurer wird, ist es umso schwerer, Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Ich vermute, dass ist unseren amerikanischen Freunden ganz recht so, weil ein schwacher Dollar natürlich die amerikanische Wirtschaft ankurbelt. Dann können DIE nämlich mehr Güter auf dem Weltmark verkaufen. Na, vielleicht kriegen die ihr Außenhandelsdefizit dadurch mal ein bisschen glattgezogen…
Mein Vorschlag dazu lautet: Lohnerhöhungen für europäische Arbeitnehmer! Und ich sag das jetzt nicht nur, weil ich mehr Geld verdienen will. Der springende Punkt ist: einer muß die nicht nachgefragten Güter ja kaufen. Und wenn unsereiner sich keine neuen VW Golf leisten kann, dann bleibt VW eben auf den Mühlen sitzen. Kurbeln wir doch zur Abwechslung mal wieder die Binnennachfrage an! Wurde ja schon lange nicht mehr gemacht. Natürlich könnte die EZB auch noch mal ein paar hundert Milliarden Euro auf die Geldmärkte pumpen. Das würde den Wechselkurs etwas drücken. Aber damit ginge auch die Preisstabilität flöten (das ist etwas, dass die EZB überhaupt nicht mag). Wie wäre es denn anstelle dessen mal mit ein paar Steuererleichterungen für Geringverdiener? Die kaufen sich dann vielleicht endlich den neuen Kühlschrank, den sie sich bisher nicht leisten konnten. Und das würde Siemens furchtbar freuen, da bin ich mir sicher. Na, wie siehts aus?