Ein paar Worte zum Mindestlohn…
der wird ja derzeit heiß diskutiert. Viele Arbeitnehmer wollen ihn, die Arbeitgeber wollen ihn nicht. Verständlich. Gehen wir mal sachlich an die Geschichte heran.
Es gibt in der Ökonomie etwas, das nennt sich Konsumquote. Das ist der Teil eines Einkommens, der für Konsumausgaben verwendet wird. Sagen wir mal, ein beliebiger Arbeiter bekommt 1.500 Euro Lohn pro Monat ausbezahlt. Davon gibt er 1.200 Euro im Laufe des Monats wieder aus, für Miete, PKW, Kleidung, Nahrung, Schulgeld usw. Dann beträgt seine Konsumquote 1.200/1.500 = 0,8. Die restlichen 300 Euro trägt er auf sein Sparkonto. 300 geteilt durch 1.500 ist gleich 0,2 – das ist die sogenannte Sparquote (Konsumquote und Sparquote zusammengenommen ergeben immer 1). Der Konsum ist ja bekanntlich das, was die Wirtschaft am Laufen hält. Je mehr man also für Konsumgüter wie z. B. DVD-Player, Fernseher, Prada-Handtasche oder neue Möbel von Ikea ausgibt, umso mehr freut das die Wirtschaft. Der Witz dabei ist folgender: Je weniger Geld man hat, desto höher ist die Konsumquote. Die Dinge, die man zum täglichen Leben braucht, werden ja nicht billiger, wenn man weniger Geld hat. Jemand, der wenig Geld verdient, ist so damit beschäftigt, über die Runden zu kommen, dass er kaum etwas ansparen kann. Verdient man hingegen vergleichsweise viel Geld, ist die Konsumquote klein. Ganz einfach darum, weil man früher oder später alles hat. Und dann verhältnismäßig wenig Geld für neue Sachen ausgeben muß. Laut Spiegelartikel “Top-Manager steigern erneut ihre Gehälter” verdiente die deutschen Topmanager 2007 im Schnitt knapp 2,9 Mio. Euro. Da fallen ein paar Euro z. B. für einen neuen BMW X3 doch überhaupt nicht ins Gewicht.
Was hat das jetzt mit dem Mindestlohn zu tun? Ich schrieb ja gestern, dass viele Exporteure fürchten, dass die ausländische Nachfrage nach hier gefertigten Gütern nachlässt. Und dass das beste Mittel dagegen eine steigende Binnennachfrage sei. Die kann die Nachfrageausfälle kompensieren. Wenn man nun ein bisschen soziale Umverteilung vornimmt und z. B. den vielen, vielen Leuten mit einer niedrigen Konsumquote etwas mehr Geld zukommen lässt, geben die das Mehr an Einkommen freudestrahlend bei Mediamarkt oder Rewe oder Ford wieder aus. Wenn wir nochmal die Konsumquote von 0,8 bemühen: Angenommen der Arbeiter verdient keine 1.500 Euro mehr sondern 2.000 Euro netto bei gleichbleibender Konsumquote. Dann gibt der Mensch nicht 1.300 Euro aus sondern 1.600 Euro.
Und dann hätten wir endlich mal wieder eine Binnenkonjunktur, die sich gewaschen hat.