Neues vom Biosprit
Das man mit Alkohol als Treibstoff anständige Leistungen erreichen kann, haben gerade ein paar britische Oberschüler zusammen mit dem Motorradhersteller Triumph bewiesen. Immerhin 255 km/h erreichte die Triumph Daytona auf der Teststrecke. Und die einzigen Veränderungen waren „Eine Anpassung des Kennfeldes der Zündung und der Gemischaufbereitung…“ Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das, dass der Zündzeitpunkt angepasst und der Vergaser bzw. die Einspritzung neu eingestellt werden muß. Wahrscheinlich mußten die Benzinschläuche auch getauscht werden, da Ethanol bekanntlich Kunststoffe angreift. Aber vielleicht hat man sich das für den Test auch gespart.
Jedenfalls wird deutlich, dass das alles nicht so richtig aufwendig ist. Um so peinlicher wirkt das Geheul der Autoindustrie vor ein paar Wochen, als es um die Freigabe von Benzin mit Ethanolbemischung ging. Vermutlich hat die Mineralölindustrie hinter den Kulissen an ein paar Fäden gezogen.
Dazu passt, dass das schwedische Unternehmen SEKAB gerade seine komplette Schöpfungskette auf Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit getrimmt hat. Das kann natürlich Marketinggeschurbel sein. Aber ein unabhängiges Unternehmen soll halbjährlich prüfen, ob das alles seine Richtigkeit hat. Nun, das lässt zumindest hoffen.
Interessant fand ich die Bemerkung, dass die Ernte mindestens zu 30% mechanisiert sein soll und bis 2014 sogar zu 100%. Ein kleiner Exkurs: Es gab oder gibt Bemühungen, in Entwicklungsländern eine angepasste Struktur zu entwickeln. Nach dem Motto: „Viele Leute, wenig Kapital, also gebt ihnen Schaufeln statt Baggern. Damit können die sowieso nicht umgehen.“ Klingt erst mal ganz logisch, ist aber Blödsinn. Wenn man langfristig was erreichen will, muß die Produktivität steigen. Gerade in der Landwirtschaft. Eine immer höhere Technisierung ist also Pflicht, wenn man sich am Schopf aus dem Sumpf ziehen will.
Brasiliens Zuckerindustrie ist schon produktiver und damit günstiger als alles, was Europa zu bieten hat. 2005 hat Brasilien knapp 25 Mio. Tonnen Zucker produziert. Deutschland lediglich etwas über 4 Mio. Tonnen (Quelle: Handelsblatt). Wenn die Technik noch weiter verbreitet wird und damit die Produktivität in den Himmel schiesst, und die EU endlich ihre Zuckersubventionen einstellt, können wir bald ganz auf Ethanoltreibstoffe umsteigen. Technisch ist das jedenfalls kein Problem.