Archiv nach Kategorie "Die Konzerne"

Interview mit Lars Göran Josefsson

Veröffentlicht in Die Konzerne am 11. Februar 2008 von stevens1976

Im Spiegel findet sich ein schönes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, Lars Göran Josefsson. Es gibt da aber ein paar Punkte, die mich stören:
1. Josefsson behauptet, Vattenfall würde die Strompreise gar nicht selbst bestimmen, das würde vom Markt und von der Politik kommen.

Das glaube ich so nicht! 1,6 Milliarden Gewinn 2007 sagen was anderes. Damit hätte man die Preise sehr wohl senken können bzw. auf derselben Höhe halten können. Was den Markt angeht: Vattenfall gehört zu den größten vier Versorgern in Deutschland. Man kann hier also nicht davon ausgehen, dass es sich um einen perfekten Markt handelt, an dem alle Teilnehmer lediglich Preisnehmer sind (Preisnehmer bedeutet, dass die Teilnehmer am Markt nicht in der Lage sind, den Preis zu beeinflussen, sondern ihre Produkte zum gegebenen Preis verkaufen müssen, weitere Informationen finden sich hier), sondern eher um ein Oligopol. Ich gehe daher davon aus, das Entscheidungen von Vattenfall durchaus Einflüsse auf den Energiemarkt haben. Dass politische Entscheidungen den Strompreis beeinflussen, kann man nicht leugnen. Das EEG, die Erhöhung der Mehrwertsteuer usw. kosten Geld welches nun mal kalt lächelnd an die Verbraucher durchgereicht wird. Nur die CO2-Emissionszertifikate, da stimmt doch was nicht. Weiter unten im Interview heißt es, dass diese Zertifikate bis 2013 kostenlos zugeteilt werden. Wo liegt denn bis dahin der Kostenfaktor? Bei den paar Leuten, die das irgendwann mal im Unternehmen ausrollen sollen?

2. Josefsson möchte eine unabhängige Expertenkommission einrichten lassen, die die Strompreise mal gründlich durchleuchtet und am Besten der breiten Masse erklärt, dass das alles so seine Richtigkeit hat.
Das klingt ja erstmal nicht schlecht. Aber wer bestimmt die Mitglieder? Um ein Experte zu werden muß man ja ein gewisses Fachwissen erlangen. Wo ist denn so ein Experte zum Experten geworden? Gibt es wirklich unabhängige Experten? Oder stehen die nicht auch in irgendwelchen Abhängigkeiten und Interessenskonflikten? Woher bekommen die Leute ihr Geld? Das muß im Vorwege geklärt werden.

3. Er will mehr Transparenz und Verständnis zur Preisbildung.

Nichts dagegen. Vielleicht kann ja die unabhängige Expertenkommission die Regeln erarbeiten, nach denen diese Informationen veröffentlicht werden. Wenn einzig von den Versorgern bestimmt wird, welche Daten wie herausgegeben werden, traue ich dem Braten nicht. Jeder Buchhalter und Controller weiß, wie man unangenehme Dinge hübsch verstecken kann. Nee, nee, da möchte ich verbindliche, mit Strafen bewehrte Gesetze haben.

Josefsson sagt weiter, das die Versorger Teil des Problems sind und damit auch der Lösung sein müssen. Tja, da hat er m. E. recht. Es ist ja so, dass wir Energieversorger brauchen, weil vermutlich niemand Lust hat, morgen wieder Holz im Wald zu hacken, damit die Wohnung warm wird. Und auf Computer, PS3 und CD-Player möchte ich auch nicht verzichten, danke der Nachfrage. Also muß man die lieben Unternehmen dazu bringen so zu funktionieren, wie es gesellschaftlich gesehen das Richtigste ist.

Gewinn und Mitarbeiter

Veröffentlicht in Die Konzerne am 9. Februar 2008 von stevens1976

Nochmal kurz zu den 5.000 Entlassungen bei BP vom 06. Februar:

Gestern stand ein im Grunde belangloser Artikel im Handelsblatt. Es ging um die Konsolidierung im US-Luftverkehrsmarkt (wen es interessiert). Interessant war aber die kleine Handelsblatt-Grafik mit ein paar Eckdaten zu den sieben größeren US-Fluggesellschaften. Da gab es ein paar Balken mit dem operativen Gewinn des dritten Quartals und daneben ein paar Balken mit den Mitarbeiterzahlen.

Da wurde ganz schnell deutlich, dass die Gesellschaft mit den meisten Mitarbeitern auch den meisten Gewinn erwirtschaftet. Und umgekehrt die Gesellschaft mit den wenigsten Mitarbeitern auch den kleinsten Gewinn. Ich hab aus den Daten mal spaßeshalber den Korrelationskoeffizienten berechnet (Excel ist schon geil). Und siehe da, 95,5% Übereinstimmung. Hm, schafft man mit mehr Leuten etwa mehr Arbeit und damit mehr Gewinn? Wer hätte das gedacht? Wenn man sich so die Behauptungen der Arbeitgeber durchliest, verursachen Arbeiter eigentlich immer nur Kosten.

Natürlich, dass ist jetzt etwas sehr stark vereinfacht. Da spielen 30 Millionen andere Faktoren ebenfalls eine Rolle. Aber nichtsdestotrotz: Die höchsten Gewinne machen Firmen mit den meisten Mitarbeitern. Das könnte heißen, dass Entlassungen, die kurzfristig den Shareholdervalue steigern, langfristig eher gewinnmindernd wirken.

Da hat doch sicherlich schon mal jemand ein paar Studien angefertigt, oder?

Was ist das mit diesen Skandinaviern…

Veröffentlicht in Die Konzerne, Energiepolitik am 8. Februar 2008 von stevens1976

…und ihrer Energiepolitik? Über Vattenfall schrieb ich ja schon ein wenig und es wird nicht das letzte gewesen sein. Und jetzt die Dänen! Der staatliche Energiekonzern DONG will in Mecklungburg-Vorpommern ein gigantisches Kohlekraftwerk errichten. Telepolis drückte das so aus: „Dänemarks staatlicher Energie-Konzern DONG will an der Küste Vorpommerns ein XXL-Kraftwerk bauen.“ DONG und XXL? Klingt wie Viagrawerbung, oder? Aber egal, das ist nicht das Thema.

Ich hatte die letzten Jahre angenommen, das Zeitalter der Kohlekraftwerke sei vorbei. Ich dachte, es wäre mittlerweile begriffen worden, dass CO2 Gift für das Klima ist und globale Erwärmung nicht nur ein Schlagwort ist sondern vielmehr ein erlebbarer Effekt. Aber irgendwie wollen momentan alle wieder diese Mistdinger bauen. Und dann auch noch an so einer Stelle wie Lubmin. Was soll der Scheiß?

Ha, ich weiß. Das ist ein ausgeklügelter Plan, Dänemark wieder zur Nummer Eins der Touristikländer an der Ostsee zu machen. Die Dänen sind sauer, weil Mecklenburg-Vorpommern so viele Urlauber anzieht. Die kalkulieren, wenn die ganze Küste Mecklenburgs für Tourismus unbrauchbar ist, wird mehr Urlaub in Dänemark gemacht. Und derweil können sie mit dem hier erzeugten Strom auch noch die lokalen Versorger aus dem Markt drängen und ein paar nette Gewinne einstreichen.

Mein Tipp: Wenn DONG unbedingt so ein Kraftwerk haben will, sollen sie es gefälligst in Dänemark bauen. Dann können sie sich mit ihren eigenen Landsleuten herumschlagen.

Weiterlesen »

Gewinneinbruch bei BP?

Veröffentlicht in Die Konzerne am 6. Februar 2008 von stevens1976

Auweia, 22% Gewinneinbruch bei BP schrieb gestern die Netzeitung. Tragisch! 2007 wurden lediglich 11,67 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Gewinn wohlgemerkt. Das heißt, 2006 wurden rund 15 Mrd. Euro Gewinn gemacht. Da frag ich mich doch, was BP mit so viel Kohle macht. Klar, die müssen natürlich viel investieren. Maschinen, Anlagen, Rücklagen, Forschung und Entwicklung, all sowas. Aber ansonsten? Alles an die Aktionäre?

Der Spiegel hatte noch ein paar mehr Informationen dazu. Um das Schiff BP wieder auf Renditekurs zu bringen, sollen erst mal 5.000 Leute entlassen werden. Damit sollen die Fixkosten um 15 -20 Prozent sinken. Hm, Leute entlassen sorgt natürlich für einen besseren Aktienkurs. Vielleicht steigern Entlassungen ja auch die Produktivität der übrigen Mitarbeiter. Die hängen sich dann mehr rein, weil sie alle Angst um ihre Jobs haben.

Ich persönlich glaube nicht an diesen Quatsch. Es ist doch nicht so, dass es da plötzlich nichts mehr zu tun gibt. Im Normalfall werden ja jüngere Mitarbeiter entlassen, weil das weniger Abfindung kostet. Und dann sehen sich ältere Leute damit konfrontiert, deren Arbeit mitmachen zu müssen. Und wahrscheinlich steigt das Arbeitsvolumen sowieso, weil mehr Anstrengungen unternommen werden, dieses Jahr die Gewinne wieder zu steigern. Das heißt, ältere Arbeitnehmer kriegen nicht nur eine Schippe, sondern zwei Schippen drauf. Herzlichen Glückwunsch! Das sorgt doch für richtig gute Laune bei den übriggebliebenen.

Im Übrigen ist BP mit 20,8 Mrd. Dollar Gewinn ja ein vergleichsweise kleineres Licht bei den Erdölfirmen. Exxon Mobil hat letztes Jahr 40,6 Mrd. Dollar Gewinn gemacht, Shell rund 31 Mrd. Dollar. Nochmal die Frage: Was machen die mit soviel Geld? Eine Firma kann ja mit Geld nicht so viel anfangen. Ersatz- und Neuinvestitionen und dann? Die können ja keine Konsumgüter kaufen. Mein Vorschlag wäre, ein paar Millionen an den Vorstand für die geleistete gute Arbeit. Hm, bleibt immer noch viel zu viel.

Man hat es nicht leicht als milliardenschwerer Konzern.