Im Spiegel findet sich ein schönes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, Lars Göran Josefsson. Es gibt da aber ein paar Punkte, die mich stören:
1. Josefsson behauptet, Vattenfall würde die Strompreise gar nicht selbst bestimmen, das würde vom Markt und von der Politik kommen.
Das glaube ich so nicht! 1,6 Milliarden Gewinn 2007 sagen was anderes. Damit hätte man die Preise sehr wohl senken können bzw. auf derselben Höhe halten können. Was den Markt angeht: Vattenfall gehört zu den größten vier Versorgern in Deutschland. Man kann hier also nicht davon ausgehen, dass es sich um einen perfekten Markt handelt, an dem alle Teilnehmer lediglich Preisnehmer sind (Preisnehmer bedeutet, dass die Teilnehmer am Markt nicht in der Lage sind, den Preis zu beeinflussen, sondern ihre Produkte zum gegebenen Preis verkaufen müssen, weitere Informationen finden sich hier), sondern eher um ein Oligopol. Ich gehe daher davon aus, das Entscheidungen von Vattenfall durchaus Einflüsse auf den Energiemarkt haben. Dass politische Entscheidungen den Strompreis beeinflussen, kann man nicht leugnen. Das EEG, die Erhöhung der Mehrwertsteuer usw. kosten Geld welches nun mal kalt lächelnd an die Verbraucher durchgereicht wird. Nur die CO2-Emissionszertifikate, da stimmt doch was nicht. Weiter unten im Interview heißt es, dass diese Zertifikate bis 2013 kostenlos zugeteilt werden. Wo liegt denn bis dahin der Kostenfaktor? Bei den paar Leuten, die das irgendwann mal im Unternehmen ausrollen sollen?
2. Josefsson möchte eine unabhängige Expertenkommission einrichten lassen, die die Strompreise mal gründlich durchleuchtet und am Besten der breiten Masse erklärt, dass das alles so seine Richtigkeit hat.
Das klingt ja erstmal nicht schlecht. Aber wer bestimmt die Mitglieder? Um ein Experte zu werden muß man ja ein gewisses Fachwissen erlangen. Wo ist denn so ein Experte zum Experten geworden? Gibt es wirklich unabhängige Experten? Oder stehen die nicht auch in irgendwelchen Abhängigkeiten und Interessenskonflikten? Woher bekommen die Leute ihr Geld? Das muß im Vorwege geklärt werden.
3. Er will mehr Transparenz und Verständnis zur Preisbildung.
Nichts dagegen. Vielleicht kann ja die unabhängige Expertenkommission die Regeln erarbeiten, nach denen diese Informationen veröffentlicht werden. Wenn einzig von den Versorgern bestimmt wird, welche Daten wie herausgegeben werden, traue ich dem Braten nicht. Jeder Buchhalter und Controller weiß, wie man unangenehme Dinge hübsch verstecken kann. Nee, nee, da möchte ich verbindliche, mit Strafen bewehrte Gesetze haben.
Josefsson sagt weiter, das die Versorger Teil des Problems sind und damit auch der Lösung sein müssen. Tja, da hat er m. E. recht. Es ist ja so, dass wir Energieversorger brauchen, weil vermutlich niemand Lust hat, morgen wieder Holz im Wald zu hacken, damit die Wohnung warm wird. Und auf Computer, PS3 und CD-Player möchte ich auch nicht verzichten, danke der Nachfrage. Also muß man die lieben Unternehmen dazu bringen so zu funktionieren, wie es gesellschaftlich gesehen das Richtigste ist.