Archiv nach Kategorie "Energiepolitik"

Ökokraftwerke in Bürgerhand…

Veröffentlicht in Energiepolitik am 26. Mai 2008 von stevens1976

Fast möchte man es „wirklich demokratischen Kapitalismus“ nennen. Da geht eine bayerische Gemeinde hin und sammelt kräftig Startkapital, um damit ein eigenes Windkraftrad zu errichten. Ganz billig war die Angelegenheit nicht, rund 2 Mio. Euro hat es gekostet. Aber dafür kann man zusehen, bildlich zusehen, wie die Rendite wieder hereinfließt. Oder hereinströmt. Noch besser, hereinweht. Na, genug der Kalauer.

Aber die Bayern sind nicht die Einzigen. Gleiches gibt es in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Bremen soll künftig sogar ein Wasserkraftwerk mit Bürgerbeteiligung gebaut werden. Interessant dabei ist, dass sich dabei null Proteste seitens der Anwohner erheben. Klar, wenn damit Geld in die eigene Kasse gespült (geweht?) wird, sagt keiner was.

Aber da gehen doch noch andere Sachen. Was ist denn mit Blockkraftwerken, Kraft-Wärme-Kupplung, Biogas oder Biokraftstoffen? Da bieten sich Möglichkeiten ohne Ende. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es doch genügend 1A-Flächen dafür. Das hält Arbeit und Rendite im Land.

Hier ist der Link zum entsprechenden Artikel auf Spiegel Online.

Solartaugliche Dächer

Veröffentlicht in Energiepolitik am 6. April 2008 von stevens1976

Ich hatte ja schon mal darüber berichtet, dass man in Marburg darüber nachdenkt, die Hausbesitzer zur Installation einer Solaranlage zu zwingen. Ich finds gut. Wenn ich Hausbesitzer wäre, müsste mich keiner dazu zwingen. Wie das staatsrechtlich aussieht, muß man natürlich diskutieren. Immerhin ist das ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. Und ich wette, es gibt genügend Idioten, die damit sofort zum Verfassungsgerichtet rennen. Nur aus Prinzip.

In Osnabrück hat man bezüglich der Solaranlagen eine hübsche Idee gehabt. Man hat per Flugzeug die gesamte Stadt gescannt und aus diesen Daten die Ausrichtung und Neigung aller Dachflächen berechnet. Anschließend wurde simuliert, wie hoch die Sonneneinstrahlung für jedes Dach ist und das Ganze auf einer Karte eingetragen. Jetzt kann jeder Hausbesitzer in Osnabrück sehen, ob es sich lohnt, sein Dach mit einer Solaranlage auszurüsten.

Vielleicht sollte Marburg das auch machen. Dann hätte man Argumente in der Hand und könnte jedem Hausbesitzer ausrechnen, was er an seiner Solaranlage verdienen könnte. Ihm oder ihr gewissermassen eine Mohrrübe vor die Nase hängen. Mein Tipp: Mal mit der Universität Osnabrück reden, die haben schonmal solche Daten berechnet und Simulationen durchgeführt.

Die Daten für Osnabrück finden sich übrigens hier: http://geodaten.osnabrueck.de/website/SunArea/viewer.htm

Bergbau im Saarland

Veröffentlicht in Energiepolitik am 26. Februar 2008 von stevens1976

Das Hamburger Abendblatt berichtet heute über die Nachwirkungen des Grubenbebens in Ensdorf im Saarland vom Wochenende. Wie es aussieht, bleibt der Abbaustop dauerhaft. Entsprechend zittern die umliegenden Kraftwerke schon um ihre Kohlelieferungen. Von den Arbeitnehmern, die dort demnächst ihre Jobs verlieren werden, ganz zu schweigen. Das betrifft direkt wohl 5.000 Beschäftigte, wobei indirekt noch mal 5.000 aus Zulieferbetrieben und abhängigen Unternehmen betroffen sein sollen. Also etwa 10.000 Leute, die sich um neue Jobs kümmern müssen.

Es ist kein Vergnügen, arbeitslos zu sein. Wenn man ein berufliches Profil hat, dass anderweitig benötigt wird, kann man noch von Glück sprechen. Aber was ist mit den tatsächlichen Bergarbeitern? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Jungs in absehbarer Zeit einen neuen Job finden. Ich hoffe, die dortigen Behörden entwickeln ein paar vernünftige Pläne, wie man die Leute einigermaßen schnell und sinnvoll wieder in Lohn und Brot bekommt. Dass das mit einigen persönlichen Einschnitten verbunden ist, braucht man nicht zu diskutieren.

Andererseits freue ich mich aber auch darüber, dass dort keine Kohle mehr gefördert wird. Ein Grund mehr, mit dem dringend nötigen Umbau der Energieversorgung fortzufahren. Von dem CO2, das jetzt nicht mehr in die Luft geblasen wird, will ich gar nicht anfangen. Aber es gibt noch einen Punkt: die Subventionierung des Kohlebergbaus. Die FAZ hat dazu ein paar Zahlen in petto. Demnach sollen zwischen 2009 und 2018 22 Milliarden Euro dafür bereitsgestellt werden. Das ist eine Menge Geld um die Kosten für den Bergbau in Deutschland auf Weltmarktniveau zu drücken. 22 Milliarden Euro Steuergelder. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Während die FAZ von der Förderung des „schwarzen Goldes“ schwärmt, wäre mir lieber, man würde nach vorne sehen und den Zombie „Kohlebergbau“ endlich beerdigen!

Nochmal Moorburg

Veröffentlicht in Energiepolitik am 21. Februar 2008 von stevens1976

Noch ein paar Dinge zum neuen Vattenfall-Kohlekraftwerk in Moorburg. Ich hatte ja schon früher auf einen Artikel hingewiesen, in dem die fragwürdige Leistungsfähigkeit des neuen Kraftwerks näher beleuchtet wird. Vattenfall hat sich im Gegenzug für die Baugenehmigung u. a. dazu verpflichtet, eine „innovative Anlage zur CO2-Abscheidung“ zu installieren. Innovativ klingt ja erst mal sehr beruhigend (nach dem Motto: „Die tun was.“) Heute las ich hier, dass das so beruhigend denn doch noch nicht ist. Eine Vattenfallsprecherin hat bestätigt, dass in Moorburg das „Post Combustion“-Verfahren angewendet werden soll. Dabei wird das CO2 nach der Verbrennung aus dem Rauchgas getrennt (wer technische Details wissen will: CO2-Sequestrierung und Amine). Dies ist die aufwendigste und damit teuerste Variante, um CO2 nicht gleich wieder in die Luft zu blasen.

Mir drängt sich das Gefühl auf, dass wir wieder verarscht werden. Ich halte nicht viel von freiwilligen Selbstverpflichtungen. Das erscheint mir immer wie ein Deckmäntelchen, mit dem vordergründig guter Willen demonstriert wird. Und wenn es nicht klappt, werden bedauernd die Schultern hochgezogen und irgendwelche fadenscheinigen Begründen angeboten. Nun könnte man einwenden, dass Vattenfall sich zur Zahlung einer Strafe bei Nichterfüllung vertraglich verpflichtet hat. Sage und schreibe 10,5 Mio. Euro. Haha. Bei einem Gewinn von 1,6 Mrd. Euro alleine in 2007 bezahlen die das doch aus der Portokasse. Und verkaufen weiter grinsend den auf diese Weise erzeugten Strom.

Danke Ole.

Argumente für die Kohlekraftwerkdiskussion…

Veröffentlicht in Energiepolitik am 16. Februar 2008 von stevens1976

…finden sich heute bei Telepolis. Genauer gesagt, die Diskussion um das neue Vattenfall-Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg. Demnächst sind ja bekanntlich Wahlen in Hamburg und entsprechend legen sich die Parteien schon mal zurecht, wie man dem Wähler den eigenen Standpunkt schmackhaft machen könnte.

Wenn man sich den Artikel so durchliest, wird das alles ein bisschen fadenscheinig. Warum anstelle eines 800MW-Kraftwerk ein 1.600MW-Kraftwerk gebaut werden soll, macht auf den ersten Blick ja durchaus Sinn. Zumindest, wenn dafür ein altes Kraftwerk ausgeschaltet und der Verbrauch entsprechend zugenommen hat. Aber am Verbrauch hat sich nichts geändert. Und dass das Kraftwerk so viel umweltschonender sein soll, ist auch noch längst nicht sicher.

Ich frage mich sowieso, warum überhaupt noch Kohlekraftwerke gebaut werden. Wie ich früher schon geschrieben habe: Diese Zeiten waren doch eigentlich schon vorbei. Und jetzt kommt das wie die Zombiebande aus „Planet Terror“ wieder an, langsam und stöhnend. Zumal hierzulande, wie im obigen Artikel beschrieben, auch gar kein Mangel an Strom herrscht.

Ich frage mich, was der Senat damit bezwecken will, wenn er eine Verdoppelung der geplanten MW-Leistung bei Vattenfall veranlasst.

Was ist das mit diesen Skandinaviern…

Veröffentlicht in Die Konzerne, Energiepolitik am 8. Februar 2008 von stevens1976

…und ihrer Energiepolitik? Über Vattenfall schrieb ich ja schon ein wenig und es wird nicht das letzte gewesen sein. Und jetzt die Dänen! Der staatliche Energiekonzern DONG will in Mecklungburg-Vorpommern ein gigantisches Kohlekraftwerk errichten. Telepolis drückte das so aus: „Dänemarks staatlicher Energie-Konzern DONG will an der Küste Vorpommerns ein XXL-Kraftwerk bauen.“ DONG und XXL? Klingt wie Viagrawerbung, oder? Aber egal, das ist nicht das Thema.

Ich hatte die letzten Jahre angenommen, das Zeitalter der Kohlekraftwerke sei vorbei. Ich dachte, es wäre mittlerweile begriffen worden, dass CO2 Gift für das Klima ist und globale Erwärmung nicht nur ein Schlagwort ist sondern vielmehr ein erlebbarer Effekt. Aber irgendwie wollen momentan alle wieder diese Mistdinger bauen. Und dann auch noch an so einer Stelle wie Lubmin. Was soll der Scheiß?

Ha, ich weiß. Das ist ein ausgeklügelter Plan, Dänemark wieder zur Nummer Eins der Touristikländer an der Ostsee zu machen. Die Dänen sind sauer, weil Mecklenburg-Vorpommern so viele Urlauber anzieht. Die kalkulieren, wenn die ganze Küste Mecklenburgs für Tourismus unbrauchbar ist, wird mehr Urlaub in Dänemark gemacht. Und derweil können sie mit dem hier erzeugten Strom auch noch die lokalen Versorger aus dem Markt drängen und ein paar nette Gewinne einstreichen.

Mein Tipp: Wenn DONG unbedingt so ein Kraftwerk haben will, sollen sie es gefälligst in Dänemark bauen. Dann können sie sich mit ihren eigenen Landsleuten herumschlagen.

Weiterlesen »

Der Herr von Beust mal wieder…

Veröffentlicht in Energiepolitik am 7. Februar 2008 von stevens1976

Ach nee, kuck mal. Hat der Herr von Beust etwa entgegen meinen Erwartungen doch etwas gelernt? Stellt er sich doch glatt hin und kauft für die Stadt Hamburg 5 Prozent an der Norddeutschen Affinerie. Um die Arbeitsplätze und die Firmenzentrale hier in Hamburg behalten zu können. Das gefällt mir. Das gefällt mir wirklich!

Natürlich mußte der Herr Straubhaar gleich wieder losheulen, der alte Neoklassiker. Ich vermute stark, die von ihm im Artikel genannten Argumente sind bloß vorgeschoben. Es passt ihm nämlich nicht, wenn der Staat Geld aus Renditen von Unternehmen erhält. Die Neoklassiker argumentieren dann immer damit, dass der Staat von richtiger Geldverwendung im Grunde keine Ahnung hat und solche Mittel daher in die falschen Kanäle pumpt. Schöner wäre es, das Geld in den Unternehmen zu lassen, die wissen am Besten, was sie damit machen können. Nämlich Investieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Wie gut das funktioniert, sehen wir gerade bei BP und Nokia.

Ich dagegen halte es für eine gute Idee, wenn ein paar dieser Gewinne zurückfliessen in die Politik. Es ist ja so, dass eine Institution wie die Stadt Hamburg im Grunde nichts mit Geld anfangen kann. Was eingenommen wird, wird auch wieder ausgegeben (von ein paar Rücklagen wollen wir mal absehen). Also werden davon irgendwelche Projekte bezahlt. Und damit geht das Geld über ein paar Umwege wieder an normale Arbeitnehmer. Und sei es, dass ein paar mehr Kindergärten unterhalten werden.

Natürlich können auf so einem Wege von der Politik auch Druck ausgeübt und möglicherweise unternehmerisch falsche Entscheidungen aufgezwungen werden. Das will ich gar nicht bestreiten. Aber diesen Umverteilungseffekt halte ich prinzipiell für besser, als wenn man ein Unternehmen einfach so schalten und walten lässt.

Hinzu kommt, dass Politiker ja gewählt werden wollen/müssen und damit auch in gewissem Rahmen von den Wählern abhängig sind. Also haben sie ein Interesse, den Wählern ein paar Wohltaten zu erweisen.

Warnstreik bei Vattenfall

Veröffentlicht in Energiepolitik am 2. Februar 2008 von stevens1976

Vattenfall gehört ja zu meinen <ironie>persönlichen Freunden</ironie>. Heute las ich, dass gestern rund 7.700 Mitarbeiter in Hamburg, Berlin und im Ruhrgebiet einen kleinen Warnstreik aufgezogen haben. Sie wollen (shocking) 8% mehr Lohn.

Tja, bei einem Ergebnis von 1,22 Milliarden Euro im Zeitraum vom 01.01.2007 bis 30.09.2007 sollte Vattenfall sich das eigentlich leisten können. Rechnen wir das mal aufs ganze Jahr 2007 hoch, liegt das Ergebnis sogar bei 1,63 Mrd. Euro (1,22*100/75). Nach Steuern, wohlgemerkt. Natürlich werden sie das nicht wollen. Wer will dem faulen Arbeiterpack auch schon mehr Geld in den Rachen schmeißen? Man schlug vor, dem Pöbel lediglich 3% zu geben, verbunden mit einer Einmalzahlung von 500 Euro (wieviel muss davon eigentlich an Vater Staat abgegeben werden?).

Sicher, dieses Jahr müssen wieder ein paar Investitionen getätigt werden. Aber die schwedische Regierung freut sich bestimmt über die Rendite (wer es noch nicht weiß, Vattenfall ist ein 100%es schwedisches Staatsunternehmen). Ich meine, ich mag die Schweden. Bin schon mehrfach dort gewesen. Und ist es nicht tröstlich, dass wir uns mit dem, was wir für unseren Strom bezahlen, auch an ein paar Schulen und Kindergärten und Museen und Politikergehältern in Schweden beteiligen?

Ach, ich wünschte mir manchmal, man hätte so gute Ideen auch in Deutschland.

Das soll jetzt nicht heißen, ich würde eine Verstaatlichung per se gut finden. Aber bei einem derartigen natürlichen Monopol? Ich meine, du hast ja keine Wahl. An irgendwen musst du zahlen. Immer. Es ist nicht wie bei einem Fernseher, wo du sagen kannst: „Momentan siehts nicht so gut aus, ich warte noch 3 Monate mit dem Kauf!“ Nebenbei kann man auf einen Fernseher auch mal verzichten (kommt doch eh nur Müll). So mit Kerze und wärmend Decke bei 0° in der Bude hocken? Mit ein bisschen Pech kann das auch mal tödlich sein. Erkältung, Lungenentzündung, kein Geld für die Medikamente – Bumm.

Gut, das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Aber es stört mich, dass man einfach keine Wahl hat. An irgendwen musst du zahlen, und die Unterschiede zwischen den einzelnen Energieunternehmen sind wirklich nur marginal.

Solarzellenzwang in Marburg

Veröffentlicht in Energiepolitik am 1. Februar 2008 von stevens1976

Ha, in Marburg wird darüber nachgedacht, dass jeder Hauseigentümer bei einem Neubau oder bei einer Sanierung Solarzellen auf seinem Dach installieren muss!

Nicht schlecht. Das sollte man für Hamburg auch mal überlegen. Natürlich wird das nicht passieren. Zwar hat der Herr von Beust erkannt, dass der Verkauf der HEW an Vattenfall vielleicht (möglicherweise und unter Umständen, man weiß es nicht genau) keine soooo gute Idee war (ich finde gerade den Link nicht). Aber Konsequenzen hat er daraus nicht gezogen. Die Pfeife!

Aber damit könnte man Vattenfall doch noch mal richtig einen mitgeben. Und man tut auch noch was Gutes für seinen Geldbeutel. Und die Umwelt.